Die Interviewreihe „5 Fragen zum Fachkräftemangel” – heute mit Jörg Buckmann

Fachkraeftemangel Unternehmen Schweiz

 

Die Diskussion um den Fachkräftemangel beherrscht die Medien. Die neue Interviewreihe  „5 Fragen zum Fachkräftemangel“ greift die Diskussion auf. Praktiker aus Unternehmen und Verwaltungen nehmen dazu kurz und knackig Stellung.

 

 

 

Die Fragen im heutigen Interview hat Jörg Buckmann beantwortet. Er ist Leiter Personalmanagement der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ).

1. Wird über den demographischen Wandel gesprochen fällt rasch das Schlagwort vom Fachkräftemangel. Spüren Sie in Ihrem Unternehmen schon etwas davon?
Ja, auf jeden Fall, und längst nicht nur bei den üblichen Verdächtigen, also den Hochqualifizierten mit Universitätsabschluss. Auch gutes handwerklich-technisches Personal oder freundliche, zuverlässige Chauffeure sind spürbar schwieriger zu finden. Wobei der Arbeitsmarkt in und um Zürich auch speziell hart ist – mit 3 Prozent Arbeitslosen herrscht de Facto Vollbeschäftigung und immer mehr spannende Unternehmen siedeln sich hier an.

2. Welche Wege gehen Sie bei der Rekrutierung von Fachkräften?
Die Verkehrsbetriebe Zürich kennt man natürlich – aber in erster Linie als Transportunternehmung und vielleicht weniger als interessante Arbeitgeberin. Und wenn, dann ist kaum bekannt, dass wir nicht nur Buschauffeure oder Trampilotinnen suchen, sondern auch noch fast 50 weitere spannende Berufe anbieten. Darum versuchen wir, überdurchschnittlich transparent zu kommunizieren, zum Beispiel in unseren schon zwei Mal preisgekrönten Stelleninseraten mit Lohnangaben. Dann setzen wir alles daran, überdurchschnittlich emotional aufzutreten, indem wir als eher technisches Unternehmen in der Personalwerbung konsequent immer viele (natürlich immer reale) Mitarbeitende zeigen, zum Beispiel auf www.24stundenvbz.ch. Und letztlich sorgen wir mit einer überdurchschnittlich frechmutigen Personalwerbung, dass unsere Botschaften auf dem Arbeitsmarkt auch gehört werden. Ein Beispiel dafür sind unsere Kampagnen für mehr Frauen in den Zürcher Tramcockpits (zum Beispiel die 2014-er Kampagne rund um die Trendfarbe blau).

3. Was sind aus Ihrer Sicht die relevanten Kriterien für die Arbeitgeberwahl?
Zu unserem Glück als öffentlich-rechtliches Unternehmen im öffentlichen Personennahverkehr rücken zwei Punkte auf den persönlichen Wunschlisten der Bewerberinnen und Bewerber immer weiter nach oben: Die Arbeitsplatzsicherheit und die Sinnhaftigkeit. Bei beiden Punkten haben wir einiges zu bieten. Diese Vorteile spielen wir auch ganz bewusst aus.

4. Neben der Rekrutierung spielen die Bindung und der Onboarding-Prozess eine wichtige Rolle bei der Fachkräftesicherung. Welche Personalstrategie verfolgen Sie in dieser Hinsicht?
Beim Onboarding sind wir solide aufgestellt, haben aber sicher auch noch Luft nach oben. Schaut man die tiefe Nettofluktuation der VBZ an – sie beträgt weniger als 5 Prozent – dann scheinen wir in der Personalerhaltung einiges richtig zu machen. Wobei man fairerweise auch sagen muss, dass es dafür auch noch andere Gründe gibt. Aber wir tun schon einiges, gerade in Bezug auf die körperliche und geistige Fitness der Mitarbeitenden. Wir versuchen, die grossen Nachteile der Schichtarbeit mit cleveren Einteilungs- und Schichtprogrammen zu entschärfen und haben die letzten drei Jahre viel in die Führungskräfteentwicklung investiert. Die Chefinnen und Chefs sind markante Hebel in der Mitarbeiterzufriedenheit.

5. Mittlerweile wird auch die Reaktivierung pensionierter Fachkräfte diskutiert. Spielt dieser Gesichtspunkt in Ihrem Unternehmen eine Rolle?
Und ob, ja. Ich bin derzeit daran, im Rahmen eines Konzepts verschiedene aufeinander abgestimmte Ideen voranzutreiben. Wir wollen die guten Mitarbeitenden so lange wie möglich im Unternehmen halten. Unsere Denke: Es zählt das Wissen und die Freude, dieses eventuell auch in Teilzeit, bei den VBZ einzubringen. Wenn jemand das mit 70 noch kann und will – warum nicht?


Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Rolf Dindorf