Die neuen Start-ups in Deutschland – Thomas Eggert von SiiWii im Interview

Thomas Eggert Siiwii
Start-ups sind in aller Munde. Sie stehen für ein innovatives Unternehmertum mit zukunftsorientierten Denkweisen.
Die Interviewreihe widmet sich den neuen Start-ups in Deutschland. Praktiker aus Unternehmen äußern sich kurz und knackig zu Ihrem Start-up.

 

 

Die Fragen im heutigen Interview hat Thomas Eggert beantwortet. Er ist Geschäftsführer bei SiiWii aus Berlin.

1. Was ist die Idee hinter Eurem Start-up?
Nun, wir kennen doch als Personaler alle die demografische Entwicklung in Deutschland und den künftigen Fachkräftemangel. Das Thema beschreibst du ja in deinem Blog auch immer wieder. Dennoch müssen wir feststellen, dass sich die Wege des Recruiting nicht wirklich verändert haben. Grundsätzlich ist der Prozess zum großen Teil immer noch so, wie er vor vielen Jahrzehnten begonnen hat. Damals haben Fabriken ein Schild vor das Werk gehängt, welche Jobs frei sind und sie bekamen mehr als genug Bewerbungen. Auch heute funktioniert das noch so, nur die Medien sind neu. Ende des letzten Jahrhunderts wurde Anzeigen in Zeitungen geschaltet, um die Verbreitung zu erhöhen, heute gibt es Jobbörsen im Internet, die für eine noch größere Weiterleitung der Anzeige sorgen. Gleichzeitig erstellen Firmen immer aufwändigere Karriereseiten, die im Grundprinzip den Schildern entsprechen. Aber immer noch warten sie darauf, dass sich Bewerber bei Ihnen melden und umfangreiche Informationen auf Bewerberportalen ausfüllen.

Seit einiger Zeit kommt das Thema Social Media Recruiting immer mehr in den Markt, hier versuchen Berater oder Unternehmen die berühmte Stecknadel im Heuhaufen zu finden. Hier werden auch viele Kandidaten angesprochen, die gar keinen neuen Job suchen und teilweise von den Anfragen genervt sind.
Und genau hier setzen wir mit SiiWii an – wir werden den Prozess den Recruitings umdrehen. SiiWii ist im Prinzip ein Lebenslauf-Portal. Jeder, der einen neuen Job sucht oder offen für neue Aufgaben ist, kann sich bei SiiWii kostenfrei registrieren. Hier muss er (wir nennen ihn „SiiWii“) nur ein Mal seine Daten eingeben, von der Ausbildung über Erfahrungen bis hin zu seinem bisherigen Berufsweg. In einem zweiten Schritt kann er seine Wunschstelle definieren und sogar Unternehmen ausschließen, bei denen er nicht arbeiten möchte.

Auf der anderen Seite haben die Unternehmen jetzt die Möglichkeit, nach genauen Ausbildungen, Erfahrungen etc. zu suchen und erhalten dann ein automatisches Matching der besten Kandidaten (SiiWii’s). Dies erfolgt komplett anonym und ist somit auch AGG-konform. Jetzt kann das Unternehmen die besten SiiWii’s auswählen und sich bei Ihnen bewerben, ebenfalls anonym, aber mit Angabe von Aufgabe, Erwartungen und Leistungen – das Unternehmen bewirbt sich also beim SiiWii. Bis zu diesem Punkt ist der Prozess auch für das Unternehmen komplett kostenfrei.
Nimmt der SiiWii nun diese Bewerbung an, kann er seine Kontaktdaten freischalten und die beiden können in die weiteren Gespräche einsteigen – und erst hier entstehen Kosten für das Unternehmen. Hat der SiiWii kein Interesse lehnt er ab und das Thema ist erledigt.

Das Unternehmen hat den Vorteil, dass es klar qualifizierte Lebensläufe bekommt und sich nicht um Bewerbungen kümmern muss, die dem gesuchten Profil nicht entsprechen. Einfacher und schneller kann es für das Unternehmen nicht funktionieren.
Wir sind mit SiiWii erst einmal im Gesundheitswesen gestartet, werden aber im Laufe des Jahres weitere Berufsgruppen freischalten.

2. Was heißt es, in einem Start-up zu arbeiten?
Ich selbst stehe ja seit mehr als 35 Jahren im Berufsleben – da ist schon eine andere Welt, in der wir uns bewegen. Ich lerne gerade viel Neues, denn es gibt eine interessante Community der HR-StartUp’s. Hier herrscht ein sehr offener und lockerer Umgang untereinander und bei vielen Themen wird es einfach einmal versucht. Themen, über die wir in der Vergangenheit lange diskutiert haben, werden gemacht, das ist schon spannend. Ansonsten ist es im StartUp selbst ziemlich normal, auch hier wird gearbeitet, diskutiert, gehen Themen voran oder dann auch wieder nicht. Also insgesamt doch sehr spannend.

3. Wo möchtet Ihr mit Eurem Start-up in fünf Jahren stehen?
Das ist doch klar, wir wollen die Welt beherrschen. Nein, alles Ernstes – unsere Erwartung ist schon, dass wir als Vorreiter eines neuen Recruiting stehen und dafür bekannt sind. Wir wollen der zentrale Anlaufpunkt für Unternehmen sein, wenn sie neue Mitarbeiter suchen und die SiiWii bleiben laufend bei uns im System – und wenn mal wieder ein Jobwechsel fällig ist, aktualisieren sie nur noch ihre Daten und schalten das Profil wieder frei für die nächste Herausforderung.

4. Welche Chancen siehst Du in der Digitalisierung der HR-Arbeitswelt?
Sehr viele, ich glaube, mehr als je zuvor. Aber ich habe hier auch eine differenzierte Sicht auf das Thema und mir wird das leider immer zu einseitig diskutiert. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass HR erst einmal seine eigenen Prozesse und Vorgehensweisen viel mehr digitalisieren muss. Ich bin ja nach wie vor bei der BEGIS beschäftigt und wir bieten Software rund um Prozesse und Digitalisierung im Personalwesen. Da ist es doch sehr erschreckend, wie viele Unternehmen noch vom Einstellungsprozess bis zum Urlaubsantrag mit Papierbelegen arbeiten. Bevor Personalabteilung das große Digitalisierungsrad drehen, sollten sie selbst auch als Vorreiter im Unternehmen digital werden.

Zum anderen hat HR sicherlich die Aufgabe, den Digitalisierungsprozess um Unternehmen zu unterstützen, moderieren, entwickeln. Das ist aber aus meiner Sicht eine Aufgabe, die Personalabteilungen schon immer haben – neue Strukturen oder Prozesse im Unternehmen durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen und voran zu treiben.

Grundsätzlich glaube ich aber auch, dass zur Zeit dieses Thema viel zu extrem diskutiert wird, das ist ähnlich wie vor ein paar Jahren mit der Generation Y. Da haben sich viele Berater auf das Thema gestürzt und es wie eine Sau durchs Dorf getrieben. Heute spricht kaum noch jemand davon und jetzt stürzen sich alle auf die Digitalisierung der Arbeitswelt. Natürlich wird die Digitalisierung viele Arbeitsplätze betreffen, aber auch das ist wieder wie bei der Generation Y. Es betrifft einige Bereiche, aber frag mal den Gärtner oder den Pfleger, was er davon hält …

Unternehmensporträt:
Unsere Mission: Suchen war gestern – finden ist heute
Vorbei sind die Zeiten von langwierigen Prozessen im Recruiting, teuren Headhuntern oder Stellenanzeigen und schlecht passenden Bewerbungsunterlagen.
Nicht das Unternehmen sucht sich den Mitarbeiter aus, sondern der Bewerber das Unternehmen.

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Rolf Dindorf

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