Demographie-Blog

„5 Fragen zum Fachkräftemangel“ – das Pfälzische Handwerk

Handwerkskammer Pfalz

 

Die Diskussion um den Fachkräftemangel beherrscht die Medien. Die Interviewreihe
„5 Fragen zum Fachkräftemangel“ greift die Diskussion auf. Praktiker aus Unternehmen, Kammern und Verbänden nehmen dazu kurz und knackig Stellung.

 

 

Die Fragen im heutigen Interview hat Ralf Hellrich beantwortet. Er ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer der Pfalz und Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz.

1. Wird über den demographischen Wandel gesprochen fällt rasch das Schlagwort vom Fachkräftemangel. Spüren Sie im Pfälzischen Handwerk schon etwas davon?
Der Fachkräftemangel stellt auch im pfälzischen Handwerk eine größer werdende Herausforderung dar. Zurzeit sind es in erster Linie Passungsprobleme zwischen Berufswunsch und verfügbaren Ausbildungsplätzen, die in einigen Handwerken eine Unterversorgung mit Lehrlingen zur Folge haben. Allerdings wird auf mittlere Sicht auch ein struktureller Fachkräftemangel erkennbar. So werden nach Aussage des Bundesinstitutes für Berufsbildung bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung bis zum Jahr 2030 rund drei Millionen Fachkräfte mehr den Arbeitsmarkt verlassen als ins Erwerbsleben eintreten.

Die Entwicklung der Ausbildungszahlen im pfälzischen Handwerk spricht die gleiche Sprache: Von 2007 bis 2014 ist ein Rückgang von rund 30 Prozent zu verzeichnen.

2. Wie kann man sich als attraktiver Handwerksbetrieb für neue Kräfte positionieren?
Ziel des Betriebes sollte es sein, sich am Markt als ansprechender und glaubwürdiger Arbeitgeber zu präsentieren. Das bedeutet, die sogenannte Arbeitgebermarke muss eine starke positive Wirkung auf Fachkräfte und Auszubildende ausüben.

Faktoren, die die Arbeitgebermarke positiv beeinflussen, sind etwa eine qualitativ hochwertige Ausbildung, ein inspirierendes Arbeitsumfeld, ein angenehmes Betriebsklima sowie vielfältige Möglichkeiten der Personalentwicklung und –qualifizierung.

Die eigenen Mitarbeiter sind immer die besten Botschafter für die Ausbildung im Betrieb. Daher empfiehlt es sich für die Betriebe an einer der zahlreichen Ausbildungsbörsen in der Region teilzunehmen, die die Handwerkskammer der Pfalz in Kooperation mit der Arbeitsagentur veranstaltet, um sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb vorstellen und auf diesem Weg Auszubildende gewinnen zu können.

3. Warum sollte ein junger Mensch zum Handwerk gehen?
Die vielfältigen Berufsbilder des Handwerks bieten für jeden etwas. Gezielte Berufsorientierungsmaßnahmen im Vorfeld helfen den Jugendlichen, den für sie geeigneten Beruf zu finden. 2014 wurden mehr als ein Drittel der Ausbildungsverträge in lediglich zehn Ausbildungsberufen abgeschlossen. Um diesem Phänomen entgegen zu treten, kann den interessierten Schülerinnen und Schülern im Rahmen der Berufsorientierung ein Überblick über das weite Feld der Handwerksberufe vermittelt werden.

Nach der fundierten dualen Ausbildung eröffnen sich jungen Menschen durch beste Qualifikationsmöglichkeiten sehr gute Karrierechancen im Handwerk.

4. Welche Rolle spielt die Integration von jungen Menschen mit ausländischen Wurzeln im Handwerk?
Die Handwerkskammer der Pfalz hat sich im Rahmen der „Vereinbarung Rheinland‐Pfalz für Ausbildung und Fachkräftesicherung“ mit ihren Partnern darauf verständigt, Fachkräftenachwuchs für die Betriebe zu finden und gezielt jungen Menschen mit Migrationshintergrund einen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen. Zur erfolgreichen Umsetzung wird neben drei weiteren Coaches eine Migrations‐Netzwerkerin beschäftigt, die u.a. Ausbildungsstellen bei Arbeitgebern mit Migrationshintergrund einwirbt, über Fördermöglichkeiten berät und Hilfestellung bei Bewerbungen und Behördengängen leistet.
Ziel der Maßnahme ist es, dafür zu werben, die Akzeptanz der handwerklichen Ausbildung in ausländischen Familien zu steigern. Gleichzeitig appellieren wir an die Politik die rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen um möglichst viele junge Menschen mit ausländischen Wurzeln schnellstmöglich in Ausbildungs‐ und Beschäftigungsverhältnisse vermitteln zu können.

5. Wie bedeutsam sind Fachkräfte aus dem Ausland für das Pfälzische Handwerk?
„Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hin will“.

Das pfälzische Handwerk setzt sich gemeinsam mit der Landesregierung für eine qualifizierte gesteuerte Zuwanderung von Flüchtlingen ein, um diese in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft zu integrieren. Dazu gehören Maßnahmen zur Sprachförderung sowie das Modellprojekt „Early Intervention“, das Asylbewerberinnen und –bewerbern direkt nach der Einreise in Deutschland einen schnellen Kompetenzcheck zwecks zeitnaher Anerkennung beruflicher Abschlüsse bietet um somit die Tür zur erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt zu öffnen.

Auch Erwachsenen ohne anerkannten Berufsabschluss wird es durch geeignete Nachqualifizierungsmaßnahmen – wie sie die Handwerksammer der Pfalz bereits erfolgreich anbietet – ermöglicht, einen Abschluss nachzuholen und dadurch ein nachhaltiges Beschäftigungsverhältnis aufnehmen zu können.

Porträt:
Als Partner von rund 18.000 Mitgliedsbetrieben mit ca. 86.000 Beschäftigten und über 7.000 Auszubildenden unterstützt die Pfälzische Handwerkskammer die regionalen Handwerksbetriebe.


Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen
Rolf Dindorf


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