Demographie-Blog

Demografie: Wie ganze Belegschaften überaltern

Fachkräftemangel
© stevepb/pixabay

Gastbeitrag von Sabine Hutter, personalmanagement.info, Österreich

Der Fachkräftemangel ist in der Personalarbeit allgegenwärtig und schon heute ist absehbar, dass sich das Problem in Zukunft eher verschlimmern wird. Eine Kienbaum-Studie zeigt: Schon heute gehört etwa jeder zweite Arbeitnehmer der Generation 50+ an. Bis zum Jahr 2030 wird sich die Anzahl der Personen im erwerbsfähigen Alter drastisch verringern – von heute etwa 50 Mio. auf 8 Mio. Arbeitnehmer. Dass dies den bestehenden Fachkräftemangel Stück für Stück verschlimmern wird, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Arbeitgeber sind gezwungen, schon jetzt an morgen zu denken, da sie sonst früher oder später von der Überalterung ihrer Belegschaft überrollt werden.

Überalterung ganzer Abteilungen

In vielen Unternehmen bietet sich dasselbe Bild: Ganze Abteilungen sind von der Überalterung bedroht. Eine Vielzahl der Arbeitnehmer ist im selben Alter. Kommt der Zeitpunkt des Renteneintritts, müssen plötzlich mehrere Arbeitsplätze auf einmal besetzt werden – und das in Zeiten, in denen man dank einem Unterangebot an Fachkräften mit der adäquaten Besetzung einer einzelnen Stelle oft schon Schwierigkeiten hat. Dabei besteht zum einen das Problem, dass bei einer nicht sofort möglichen Nachbesetzung die Arbeit nicht erledigt wird, andererseits geht aber auch wertvolles Know-how mit den verrenteten Arbeitnehmern verloren.

Arbeitgeber sollten deshalb bereits heute die Altersstruktur im gesamten Betrieb und auch isoliert in den einzelnen Abteilungen genauer unter die Lupe nehmen. Dabei sollten Zukunftsszenarien eine große Rolle spielen – würde man alles für 5, 10 oder 15 Jahre weiter laufen lassen wie gehabt, wie würde sich dann die Altersstruktur entwickeln? Stellt sich heraus, dass Unternehmensbereiche von der Überalterung bedroht sind, sollten rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Hierzu gehören folgende Themen:

  • Stellen Sie schon heute fest, wann welche Arbeitnehmer altersbedingt ausscheiden.
  • Halten Sie fest, ab wann Nachbesetzungsbedarf besteht und machen Sie sich rechtzeitig auf die Suche nach möglichen Nachfolgern.
  • Identifizieren Sie Arbeitnehmer, mit denen ein enormes Wissen verloren gehen würde.
  • Stellen Sie sicher, dass die Erfahrungen und das Wissen der ausscheidenden Mitarbeiter systematisch auf jüngere Kollegen übertragen werden.

Potential älterer Mitarbeiter gezielt nutzen

Die Lösung des eigentlichen Problems, des Fachkräftemangels, ist nun aber sicher nicht darin zu suchen, alle älteren Arbeitnehmer durch jüngere zu ersetzen. Letztere werden in einigen Jahren immer mehr Mangelware sein. Stattdessen sollte sich jeder Arbeitgeber darüber Gedanken machen, wie er die Potentiale älterer Arbeitnehmer optimal ausnutzen kann. Auch wenn zwar die Muskelkraft oder die Resistenz gegenüber Dauerbelastungen im Alter nachlassen, gibt es Fähigkeiten, die sich mit zunehmender Lebenserfahrung verbessern, beispielsweise soziale Kompetenz, eine selbstständige Arbeitsweise oder eine hohe Entscheidungskompetenz. Durch die sehr gute Ausbildung der Soft Skills, die so manchem Young Professional noch fehlen, lässt sich hier vieles ausgleichen.

Immer mehr Arbeitgeber gehen deshalb dazu über, gezielt ältere Arbeitnehmer in ihre Überlegungen einzubeziehen. Durch die richtige Strategie können sie eine wichtige Stütze des zukünftigen Erfolgs werden:

  • Gesundheitsmanagement: Mit gezielten Maßnahmen versucht man, die Gesundheit zu fördern und zu erhalten, womit auch ein Erhalt der Leistung einhergeht.
  • Lebenslanges Lernen: Gerade ältere Arbeitnehmer benötigen regelmäßige Updates für ihr Fachwissen. So können sie bis zu ihrem letzten Arbeitstag ein wertvolles Mitglied der Belegschaft sein.
  • Neue Tätigkeit: Falls die bisherige Tätigkeit nicht mehr geeignet ist, beispielsweise weil sie körperlich zu anstrengend ist, können ältere Arbeitnehmer eine neue Funktion erhalten und zum Beispiel ihre Erfahrung als Ausbilder oder Anleiter weitergeben.

Dass das Umdenken der Arbeitgeber bereits begonnen hat, zeigt eine Erhebung der GfK aus dem Jahre 2010. Dem Ergebnis zufolge schätzt die Mehrzahl der Arbeitgeber ihre älteren Arbeitnehmer für ihr Erfahrung, ihr Verantwortungsbewusstsein, ihre Loyalität und ihre positive Wirkung auf das Betriebsklima.


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