Demographie-Blog

Demografischer Wandel und Fachkräftesicherung in der Gruppe älterer Arbeitnehmer

Manfred Sattler, Präsident der IHK Koblenz, schreibt heute in einem Expertenbeitrag in der Reihe „Demographie aktuell“ zur Fachkräftesicherung in der Gruppe älterer Arbeitnehmer der Region Mittelrhein:

Im Standortwettbewerb der Regionen um Arbeitskräfte, Unternehmen, Touristen und Bewohner kann die Region Mittelrhein mit einer hohen Wohn-, Arbeits- und Lebensqualität, einem attraktiven Branchenmix, einem vielerorts gut ausgebauten Verkehrsnetz und einer attraktiven Landschaft für die Tourismusbranche punkten. Aber die Unternehmen des IHK-Bezirks Koblenz stehen im Zuge des fortschreitenden demographischen Wandels in zunehmendem Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Für das Jahr 2050 wird in der Region ein Rückgang der Bevölkerung von aktuell rund 1,5 Mio. auf dann 1,17 Mio. Personen prognostiziert.  Aufgrund sinkender Geburtenraten und einer steigenden Lebenserwartung, wird die  Bevölkerung immer weiter altern und zugleich weniger qualifizierte Nachwuchskräfte für den Arbeitsmarkt bereitstellen können. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosenquote für Personen ab 55 Jahren in allen Landkreisen des IHK-Bezirks über dem Durchschnitt. Und auch die Erwerbsquote dieser Altersgruppe ist – trotz positiver Entwicklungen in den letzten Jahren – weiterhin vergleichsweise niedrig.  Mit Blick auf den  verstärkten Fachkräftemangel gilt es deshalb, das ungenutzte Potenzial unseres heimischen Arbeitsmarktes zu aktivieren. Dazu müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die älteren Arbeitnehmern eine Teilhabe am Arbeitsmarkt bis zum gesetzlichen Rentenalter ermöglicht. Die problematischen Folgen des demografischen Wandels werden für die Unternehmen im IHK-Bezirk Koblenz seit einigen Jahren zunehmend spürbar. Laut einer IHK-Erhebung stieg der Anteil der Unternehmen, die Stellen nicht besetzen können, von 16 % im Jahre 2005 auf 24 % im Jahr 2012. Dabei bleiben Positionen auf sämtlichen Qualifikationsebenen vakant.  Sehr viele  Unternehmen geben als Grund für die Fachkräftesuche den Ersatz von altersbedingt ausgeschiedenen Mitarbeitern an.  Als Folgen des Fachkräftemangels werden vor allem die Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft, der Verlust der eigenen Innovationsfähigkeit und eine Einschränkung von Produktion und Serviceleistung erwartet. Diese Entwicklung wird ohne Gegenmaßnahmen zu einer Verschlechterung der Standortqualität der Region führen.

Allerdings gibt es auch Ansatzpunkte für Lösungen. Eine weitere Umfrage der IHK Koblenz zeigt, dass es in der heimischen Wirtschaft keine generell negative Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern gibt. Über sämtliche Branchen hinweg berichten die Unternehmen von positiven Erfahrungen mit älteren Beschäftigten und sind deshalb grundsätzlich bereit, diese auch einzustellen. Interessant dabei: Die Mehrheit der Unternehmer kann keine nennenswerten Produktivitätsrückstände zu jüngeren Arbeitnehmern feststellen. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass Ältere spezielle Fähigkeiten wie Erfahrung oder Selbstständigkeit mitbringen. Allerdings nennen die Unternehmen mangelnde und veraltete Qualifikationen bei Älteren als häufiges Einstellungshemmnis. Dieses Problem könnte durch gezielte Qualifizierungsmaßnahmen behoben werden. Bisher bietet die Mehrheit der Unternehmen in der Region jedoch keine speziell auf ältere Arbeitnehmer abgestimmten Programme an. Im Wesentlichen verlassen sich die Unternehmen auf die Wirkung von Mitarbeitergesprächen und den Wissenstransfer zwischen Jung und Alt. Optionen wie flexible Arbeitszeitmodelle, Bildungsangebote oder Jobrotation werden dagegen kaum genutzt. Insgesamt zeigt sich hier also ein großes Verbesserungspotenzial bezüglich der Förderung älterer Arbeitnehmer. Gerade kleine und mittlere Betriebe brauchen bei der Ausarbeitung einer zukunftssicheren  Personalpolitik Unterstützung

Um die berufliche Bildung in allen Phasen des Berufslebens zu unterstützen, hat die IHK Koblenz schon 2010 den IHK-Weiterbildungsfonds ins Leben gerufen. Durch dieses Instrument werden Bildungsmaßnahmen zur Förderung der Beschäftigungsfähigkeit  finanziert, die durch zertifizierte Einrichtungen betreut werden. Im laufenden Jahr wurde die maximale Fördersumme je Unternehmen von 1.000 Euro auf 3.000 Euro angehoben. Und um gezielte stärkere Anreize zur Qualifizierung älterer Mitarbeiter zu setzen, wurde der Maximalbetrag der Förderung von 1.000 Euro auf 1.500 Euro je Mitarbeiter ab 45 Jahren aufgestockt. Ziel ist der Erhalt älterer Arbeitnehmer als wertvolle, motivierte und qualifizierte Mitarbeiter.

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Ein Kommentar

  1. Mit Interesse konnte ich den Beitrag lesen. Hierzu ist allerdings feststellbar, dass Stellenausschreibungen in Zeitungen oftmals lediglich zu Werbezwecken inseriert werden und weniger um Personal zu finden. Personalvermittler, vermitteln Datenbanken ohne den Menschen zu kennen. Bereits mit 45 Jahren gelten Menschen als zu Alt für den Arbeitsmarkt obwohl heute die Lebensarbeitszeit bis nahezu 70 Jahre heranreichen. Da passt etwas nicht!

    Gerade in Demographie geprägten Regionen ist das schließen von Kooperationen mit entsprechendem Angebot sei es auf dem Arbeitsmarkt oder auf dem Personalmarkt um so wichtiger. Gleichwohl werden wichtige marketingpolitische des Regionalmanagements oftmals vernachlässigt. Nicht nur Metropolen müssen neugedacht, sondern ganze Regionen neu gefunden und beweglich (Agil im Wettbewerb) werden.

    Da stellt sich schon die Frage, ob der Fachkräftemangel nicht auch ein bisschen selbst von Städten/Gemeinden und Unternehmen verursacht ist?

    AIW Unternehmensberatung

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