Demographie-Blog

„5 Fragen zum Fachkräftemangel“ – die Chemieverbände Rheinland-Pfalz

Bernd Vogler Chemieverbände Rheinland-Pfalz

 

Die Diskussion um den Fachkräftemangel beherrscht die Medien. Die Interviewreihe
„5 Fragen zum Fachkräftemangel“ greift die Diskussion auf. Praktiker aus Unternehmen, Kammern und Verbänden nehmen dazu kurz und knackig Stellung.

 

 

 

Die Fragen im heutigen Interview hat Dr. Bernd Vogler beantwortet. Er ist Hauptgeschäftsführer der Chemieverbände Rheinland-Pfalz.

1. Wird über den demographischen Wandel gesprochen fällt rasch das Schlagwort vom Fachkräftemangel. Spüren Sie in der chemischen Industrie schon etwas davon?
Auch in der Chemieindustrie spüren wir insbesondere in einigen Engpassberufen, dass es für die Betriebe zunehmend schwieriger wird, die passenden Bewerber zu finden. Das betrifft vor allem die Produktionsberufe. Besonders bei der dualen Ausbildung dürfen wir nicht nachlassen, um dem demografischen Wandel weiter zu begegnen. 2014 haben die rheinland-pfälzischen Chemiebetriebe 1.468 Ausbildungsplätze angeboten. So wollen sie dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Das funktioniert oft sehr gut, aber es bleiben auch Ausbildungsstellen vakant.

2. Wie kann man sich als attraktiver Arbeitgeber für neue Kräfte positionieren?
Mit guten Argumenten. Die Chemiebetriebe bieten sichere Arbeitsplätze; rund 69.000 sind es in Rheinland-Pfalz. Die Branche ist hier die umsatzstärkste Industrie. Auch bieten die Chemieunternehmen ein gutes Entgelt und einen modernen Tarifvertrag, der ständig weiterentwickelt wird und schon oft Vorbild für andere Branchen war. Für die gute Zusammenarbeit der Chemie-Sozialpartner, dem Arbeitgeberverband BAVC und der Gewerkschaft IG BCE, ist die Branche bekannt.

3. Warum sollte ein junger Mensch zur chemischen Industrie gehen?
Einige Argumente habe ich ja bereits genannt. Eine Ausbildung in dieser innovativen Branche bedeutet, die Zukunft mitzugestalten. Chemie ist Naturwissenschaft und Industrie zugleich. Durch Forschung und Entwicklung entstehen die Produkte, die unser modernes Leben so angenehm machen. Junge Menschen können aus über 50 Ausbildungsberufen wählen. Daher kann ich nur einen Blick auf Elementare Vielfalt empfehlen, wo Interessierte die Berufsbeschreibungen, Bewerbungstipps, offene Stellen und vieles mehr finden. Auch die Betriebe sind vielfältig: von kleinen und mittelständischen Unternehmen bis zu Großkonzernen, von jungen Firmen bis zu traditionsreichen Standorten findet sich alles in der Chemiebranche . Darüber hinaus sollte man wissen: Viele Betriebe investieren in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter, weil eine Hochtechnologiebranche wie die Chemie fachlich hervorragend gebildete Leute braucht.

4. Wie bedeutsam sind Fachkräfte aus dem Ausland für die rheinland-pfälzische Chemieindustrie?
Wie gesagt: auch die Chemie spürt den Fachkräftemangel. Für uns gilt, wie für die gesamte Industrie, dass wir Zuwanderung brauchen, um den Arbeitskräftemangel abzufedern. Seit ein, zwei Jahren nehmen Unternehmen in Pilotversuchen junge Menschen aus dem Ausland in eine Ausbildung. Zum Beispiel werden bei der BASF seit 2013 junge Menschen aus Spanien ausgebildet. Erst im September 2014 haben wieder 20 Jugendliche aus Spanien ihre Ausbildung in Ludwigshafen begonnen. Ganz generell gibt es in einer exportorientierten Branche wie der Chemie eine enge Vernetzung mit internationalen Geschäftspartnern oder Kollegen an ausländischen Standorten.

5. Welche Rolle spielt die Generation 50plus für die Betriebe Ihrer Branche?
In Rheinland-Pfalz sind knapp 54 Prozent der Beschäftigten älter als 43 Jahre. Insofern spielt diese Generation eine Rolle. Das Ziel ist es, möglichst frühzeitig auf den demografischen Wandel insgesamt zu reagieren. Die Chemie-Sozialpartner haben einen Demografiefonds im Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ aufgesetzt. Aus diesem werden individuelle betriebliche Maßnahmen für Beschäftigte finanziert, wie pflegebedingte Arbeitszeitreduzierung bei teilweisem Lohnausgleich oder ergonomische Arbeitsplätze in der Produktion. Die Branche setzt sich generell für die Gesundheitsförderungen in den Betrieben ein. Zum Beispiel werden mit dem Projekt „Gesund in den Beruf“ betriebliche Gesundheitsmaßnahmen besonders in kleinen und mittleren Betrieben unterstützt. Hier geht es vor allem um Prävention; und zwar für alle Mitarbeiter, egal welchen Alters.

Verbandsportrait
Die Chemieverbände sind eine Gemeinschaft des Arbeitgeberverbandes Chemie Rheinland-Pfalz e.V. (AGV) und des Verbandes der Chemischen Industrie e.V. Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. (VCI) – einem Wirtschaftsverband. Unsere Mitglieder sind Unternehmen der chemischen Industrie oder chemienaher Ausrichtung mit Sitz in Rheinland-Pfalz. Mehr Informationen: www.chemie-rp.de

Vielen herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen.
Rolf Dindorf

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